„Gute Vorbereitung ist besser als schnelles Handeln“. Dieser Grundsatz gilt ganz besonders für Direktinvestitionen im Ausland (FDI). Drei Punkte sind es, die über Erfolg und Misserfolg entscheiden.

  • Die Untersuchung der rechtlichen und technischen Machbarkeit des geplanten Projekts;
  • die Suche nach dem richtigen Standort;
  • die Prüfung der internen Voraussetzungen für die Durchführung des Projekts und dessen Organisation

Im ersten Teil dieser Artikelserie habe ich den effizienten Prozess und den Aufbau der Kriterien für eine Machbarkeitsstudie über eine geplante Direktinvestition in einem oder mehreren Zielländern Asiens beschrieben. Heute will ich mich mit der Standortsuche und –evaluierung als nächsten Schritt der Risiko-Minimierung befassen.

Die Standortevaluierung

Prinzipiell beginnt die eigentliche Standortauswahl dann, wenn die Investitionsentscheidung für ein bestimmtes Land bereits gefallen ist. Die Standortevaluierung beurteilt demnach Vor- und Nachteile alternativer Standorte innerhalb des gewählten Investitionslands, während die Machbarkeitsstudie zunächst einmal die Auswahl dieses Investitionslands anhand der relevanten Rahmenbedingungen unterstützt.

Die Standortauswahl als selbständiger Schritt kommt immer dann in Betracht, wenn entweder eine vorausgegangene, vergleichende Machbarkeitsstudie durch zusätzlich zahlreiche Standortuntersuchen überlastet worden wäre, oder aber aus anderen Gründen das Investitionsland als „alternativlos“ bereits von vorneherein feststeht. Letzteres ist allerdings selten.

Steht das Investitionsland schon vorab fest, ist meine

Hinweis 1

Empfehlung 6: Wenn das Investitionsland unter der Bedingung einer Überprüfung der Machbarkeit des Projekts bereits feststeht, ist es wirtschaftlich und zeitlich effizient, die Machbarkeitsstudie mit der Standortauswahl zu verbinden.

Wenn man sich also schon einmal mit den Rahmenbedingungen in einem ganz bestimmten Land befasst, dann macht es Sinn, zugleich auch bestimmte Standorte zu erkunden und zu bewerten. Beide Studien haben letztlich das Ziel, den optimalen Standort für die Investition im ausgewählten Land zu ermitteln.

Innerhalb eines Landes kann es allerdings Regionen mit ganz unterschiedlichen Vor- und Nachteilen für Investoren geben. Jeder Investor wird zudem andere Anforderungen an den für ihn idealen Standort stellen. Während eine Investition z.B. von der Nähe qualifizierter Zulieferer abhängig sein kann, wird ein anderes Unternehmen eher auf die Nähe und die kurzfristigen Liefermöglichkeiten an seine Kunden abstellen.

Exportorientierte Produktionen wiederum werden die Nähe zum Tiefseehafen schätzen, während lohnintensive Fertigungen eine eher periphere Lage mit dafür aber niedrigen Lohnkosten vorziehen könnten. Wer auf lokale Entwicklung angewiesen ist, für den wird die Nähe zu technischen Universitäten und die Verfügbarkeit von Ingenieuren eine hohe Bedeutung haben. Hersteller von Sondermaschinen werden Industriegebiete mit Massenproduktionen bevorzugen, die als Kunden für Sondermaschinen und deren Wartung gewonnen werden können.

Deshalb gilt, dass es auch bei der Standortauswahl nicht mit der Untersuchung „allgemeiner Kriterien“ getan ist. Es gibt kein „Standardprogramm“ für die Standortevaluierung. Vielmehr müssen die Kriterien wieder individuell auf das konkrete Vorhaben und seine besonderen Anforderungen ausgerichtet sein. Daher lautet meine

Hinweis 2

Empfehlung 7: Auch die Standortsuche und –bewertung beginnt mit einem Workshop und eindeutiger Definition und Priorisierung der Auswahl-Kriterien nach A („Must“), B (wichtig) und C („nice to have“).

Nicht selten machen Unternehmen den Fehler und entscheiden über den Standort nach nur einem Kriterium, z.B. dem Preis für Grund und Boden, der Nähe zum Hafen oder der Lohnkosten. Meist geschieht das, weil dieses eine Kriterium in der Tat hohe Bedeutung hat, und die Entscheider andere Kriterien schlicht und einfach (noch) nicht als wichtig für die spätere Operation erkannt haben.

Diese Kriterien gewinnen dann plötzlich mit dem „Start of Production (SoP)“ an Bedeutung oder bei der Verhandlung mit den Behörden über Steuerbefreiung. Es ist schon ärgerlich, wenn man zwar günstiges und gutes Industrieland erworben hat, später aber feststellt, dass es gerade in dieser Region nur um 5 Jahre verkürzte Befreiung von Steuern oder Einfuhrzöllen gibt. Ebenso ärgerlich ist es, wenn die Baukosten plötzlich aufgrund der Bodenbeschaffenheit um 30 % höher als geplant sind, weil zum Beispiel über 20 Meter tiefer Fundamente („Piling“) erforderlich wurden.

Als gänzlich unglücklich stellt sich eine Standortentscheidung heraus, wenn – wieder als Beispiel – in der Regenzeit das Grundstückgelände, das unter dem Straßenniveau liegt, regelmäßig überschwemmt wird, oder sogar alle 3-5 Jahre ein Hochwasser ganze Fertigungslinien oder die Materialvorräte wegspült.

Also sind Festlegung und Priorisierung der Auswahlkriterien spielentscheidend für die kluge Standortauswahl.

Von Bedeutung sind oder können beispielsweise sein:

  • Die Nähe zu Flughäfen, Tiefseehäfen, Bahnverbindungen oder Autobahnen
  • Die Nähe zu typischen „Clustern“ bestimmter Zulieferindustrien
  • Die Nähe zu Schwerpunkten von potenziellen Kunden (z.B. Automobilindustrie)
  • Die Einstufung des Standortes für staatliche Investitonsförderung (Steuer- und Zollbefreiungen)
  • Die Nähe zu technischen Universitäten für eine Zusammenarbeit und für die Anwerbung von Fachkräften
  • Verfügbarkeit und Kosten von Fachkräften
  • Kauf- oder Mietmöglichkeiten für Fertigungsgebäude
  • Technischer Service von Produktionsanlagen
  • Erreichbarkeit des Standorts für Mitarbeiter (Busse, öffentliche Transportmittel)
  • Lebensqualität für westliches Management und dessen Familie (Schulen, Wohnung, Umfeld, Naherholungsgebiete, medizinische Versorgung)
  • Kosten des Industrielands
  • Nutzungsmöglichkeiten nach dem „Flächennutzungsplan“ (den es in zahlreichen asiatischen Ländern durchaus gibt)
  • Flutsicherheit des Standorts in der Regenzeit
  • Beschaffenheit des Bodens (notwendige Tiefe der Fundamente bis zu 20 m verursachen oft 30 % der Baukosten)
  • Umweltbelastungen des Baulands
  • Verfügbares Land und seine Zuschnitte in Industriegebieten
  • Kosten und Sicherheit der Stromversorgung (Häufigkeit Black-outs, Brown-outs, Absicherung der Netze)
  • Verfügbarkeit von Erdgas
  • Entsorgung von Abwässern
  • Bestimmungen zu Umweltbelastungen
  • Industriefreundlichkeit/Korruption der lokalen Behörden
  • Transportkosten für An- und Auslieferung
  • Verfügbarkeit von Containerstationen (zur Vermeidung von Kosten für Leerfahrten)

Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Wichtig ist, dass im Eingangsworkshop alle Kriterien erkannt und in ihrer Bedeutung kategorisiert werden.

Wenn substantielle Kriterien an einem Standort nicht erfüllt werden, kann an dieser Stelle die Untersuchung des Standorts abgeschlossen werden. Das spart Untersuchungsaufwand und damit Kosten und Zeit.

Hinweis 3

Empfehlung 8: Eine professionelle Standortbewertung sollte dem Unternehmen zwei oder drei Optionen mit einer übersichtlichen Bewertung der Pro’s und Con’s für jede Option und einem Entscheidungsvorschlag bieten.


Der Autor Dr. Gunter Denk war selbst 25 Jahre verantwortlicher Unternehmer und führte einen deutschen Markenartikler mit mehreren Produktionsstandorten in Europa und Asien. Im Jahr 2000 übernahm er nach einer Fusion Vorstandsverantwortung für ein börsennotiertes Unternehmen in China. 2004 gründete er die SANET ASEAN ADVISORS, eine Gruppe von Industrieberatungen an 5 Standorten Südostasiens. Die Gruppe begleitete und begleitet unter seiner Führung zahlreiche Direktinvestitionen und Markteintrittsprojekte in China und Südostasien.

Mindestens so bedeutungsvoll wie bei der Machbarkeitsstudie ist auch für die Standortevaluierung das Wissen um typische lokale Risiken. Wer mit Überflutung, Bedeutung der Bodenbeschaffenheit für die Baukosten, Einfluss der „Bürgermeister“ auf die betrieblichen Aktivitäten etc. noch nie etwas zu tun hatte, erlebt eventuell unschöne Überraschungen, wenn er sich bereits finanziell an einen Standort gebunden hat.

Auch hier noch ein Satz zu den Kosten: Eine sorgfältige Standortevaluierung verursacht mindestens den gleichen Aufwand wie eine Machbarkeitsstudie. Sie ist mit umfangreicher „Feldarbeit“ verbunden. Der Aufwand beträgt auch hier je nach Aufgabenstellung zwischen 25,000 und 30,000 EUR.

Wie in Empfehlung 6 oben ausgedrückt, ergeben sich Einsparungspotentiale aus der Kombination von Machbarkeitsstudie und Standortauswahl, da in beiden Studien teilweise ähnliche Sachverhalte zu prüfen sind.

Als wichtiges Instrument des Risikomanagements und in Anbetracht der Auswirkungen des Standorts auf Investitionsförderung, Baukosten, Lohnkosten und zahlreichen operativen Erfordernissen, sind diese Kosten allerdings gerechtfertigt.