China verliert bei Investoren zunehmend an Attraktivität. Die Lohnkosten sind hoch, das geistige Eigentum gefährdet. Förderung gibt es nur in geringem Umfang und kaum überschaubar abhängig von Provinz, Bezirk oder individuellem Standort. Stattdessen stehen Auslandinvestoren in der Praxis vor bürokratischen Hindernissen und Benachteiligungen gegenüber den heimischen Staatsbetrieben.

In der Folge zieht es Investoren zunehmend in die ASEAN-Statten, das heißt in die „ASEAN Economic Community (AEC)“. Die Vorteile liegen auf der Hand: Wer in der AEC produziert, kann zollfrei und zu geringen Logistikkosten den chinesischen Markt bedienen. Die Lohnkosten sind zudem dort geringer, die Geschäftskultur ist unserer näher und auch heimische Mitarbeiter sind leichter für regelmäßige Unterstützung zum Beispiel in Thailand zu gewinnen.

Investitionen müssen sich auch ohne Förderung rentieren

Zu den bevorzugten Investitionsländern in Asien gehören deshalb heute Thailand und Vietnam. Beide bieten umfassende Anreize und Fördermaßnahmen, mit denen sich dieser Bericht befasst. Vorausgeschickt sei, dass man niemals „wegen“ Subventionen investieren sollte. Die Investition muss sich immer aus sich selbst heraus rechnen. Aber dennoch bilden zum Beispiel Steuer- oder Zollbefreiungen schon einen guten, zusätzlichen Anreiz. Sie verkürzen den „Return of Investment“ also den Zeitraum, in dem sich die Investition rentiert.

Die Investitionshilfen der beiden Länder Thailand und Vietnam sind durchaus vergleichbar. Unterschiedlich sind aber die Verfahrenswege und die Transparenz über den Umfang der Förderung. Die Systeme vergleichen wir dabei wohl wissend, dass neue Programme in Thailand oder auch Änderungen per „Dekret“ in Vietnam den einen oder anderen Vergleich schnell versschieben könnten.

Unser Vergleich soll Ihnen dennoch anhand klar getrennter Kriterien helfen, sich einen Überblick über die höchstmögliche Förderung zu verschaffen. In welchem Umfang ein konkretes Projekt förderfähig ist, bleibt allerdings einer individuellen Beratung vorbehalten, die die SANET ASEAN ADVISORS in beiden Ländern zuverlässig anbieten.

Strategische Bedeutung von Steuer- und Zollbefreiung

Über die rein finanziellen Vorteile hinaus haben Befreiungen von Steuern und Zöllen gerade in Asien eine überragende Bedeutung für die globale Produktionsstrategie eines Unternehmens. Investoren zum Beispiel in Thailand und Vietnam können nämlich, die lokale Wertschöpfung beachtend,

  • zollfrei Maschinen, Anlagen, und bestimmte Materialien für die Produktion importieren
  • sodann steuerfrei und kostengünstig in beiden Ländern produzieren,
  • um dann ihre Waren zollfrei im Rahmen von Freihandelsabkommen nach China, Japan, Korea, Indien, Australien und Neuseeland zu exportieren.
    Hieran lässt sich erkennen, dass eine Investition in beiden Ländern die Wettbewerbsfähigkeit der Investoren nachhaltig erhöht.

Steuerbefreiung auf „fast ewig“

In beiden Ländern beträgt der Steuersatz auf die Unternehmensgewinne, die „Corporate Income Tax (CIT)“, 20 %.

Im Rahmen der Investitionsförderung kann diese Steuer in Vietnam bis zu vier Jahren gänzlich erlassen werden. Weitere neun Jahre kann sie um 50 %, also auf eine Steuer von 10 %, ermäßigt werden. Dabei beginnt der Zeitraum erst mit dem ersten Jahr, in dem das Unternehmen Gewinne ausweist.

In Thailand beinhaltet die Höchstförderung für Investoren eine Steuerbefreiung von acht Jahren, darauf folgen dann gegebenenfalls noch bis zu fünf Jahre ebenfalls eine Halbierung der Steuer auf 10 %.

In beiden Ländern beträgt die Zeit der Befreiung und Ermäßigung also 13 Jahre. Rein rechnerisch ergibt sich daraus über die gesamte Zeit in Vietnam ein durchschnittlicher Steuersatz von 6,9 %, gegenüber einem Steuersatz von 3,84 % in Thailand. Zu beachten ist aber, dass je nach Einstufung der Investition die Gesamtsumme der Steuerersparnis in Thailand auf die Höhe der Investitionssumme gedeckelt werden kann („Cap“).

Natürlich hängt die Höchstvergünstigung von unterschiedlichen Kriterien und Anforderungen ab, die zumeist branchen- und technologiebezogen, in Thailand allerdings auch zum Beispiel mit der Ansiedlung in einem anerkannten Industriegebiet, verknüpft sind. Die Förderkriterien erörtern wir später unten noch näher.

Einfuhr und Einfuhrzölle für neue und gebrauchte Maschinen

Diese Begünstigung hat für alle Unternehmen aus zwei Gründen große Bedeutung: Zum einen werden Maschinen für eine neue Produktion nicht immer in Thailand oder Vietnam beschafft, sondern müssen importiert werden.

Beide Länder gewähren Zollbefreiung auf neue Maschinen.

Oft werden auch gebrauchte Maschinen aus einem anderen Land verlagert. Hier ist man dann in beiden Ländern nicht mehr so großzügig, denn man möchte natürliche Fabriken auf dem Stand der Technik fördern, nicht aber „abgewirtschaftete“ Anlagen ins Land holen.

Deshalb verbietet Vietnam den Import von Maschinen, die älter sind als 10 Jahre, gänzlich. Wenn die Maschinen gebraucht, aber jünger als 10 Jahre sind, kann die Einfuhr nur genehmigt werden, wenn sie nachweislich den technischen Standards der „Vietnam/G7 Staaten“ entsprechen. Verzollt werden müssen sie aber auch dann.

Thailand lässt die Einfuhr von Maschinen jeden Alters zu. Allerdings werden auf alle gebrauchten Maschinen auch die tariflichen Zölle fällig. Maschinen, die jünger sind als fünf Jahre zählen zudem zur Investitionssumme. Dies wird dann wichtig, wenn die Steuerersparnis auf diese Summe begrenzt ist. Den Wert der Maschine muss man durch ein technisches Gutachten belegen. Dieser Wert zählt dann sowohl für die Verzollung, als auch für die Anrechnung auf die Investitionssumme.

Befreiung von Einfuhrzoll auf Rohstoffe und Materialien

Kaum ein Unternehmen wird alle Rohstoffe und Komponenten sofort bei Produktionsaufnahme lokalisieren können. Zumindest über die ersten Jahre wird man bestimmte Teile noch importieren müssen. Zölle verteuern dann die Herstellungskosten des Produkts und verringern den erhofften Kostenvorteil der neuen Fabrik.

Thailand gewährt deshalb über den gesamten Förderzeitraum die zollfreie Einfuhr von Rohstoffen und Materialen. Allerdings müssen sie hinsichtlich Art und Menge im Förderantrag genau genannt werden. Die ganze Förderung ist dann gefährdet, wenn sich aus dieser Aufstellung ergibt, dass man zum Beispiel fast alle Komponenten einführen und dann nur zusammenschrauben will. Nur wirkliche Produktionsprozesse mit Wertschöpfung im Land sind förderwürdig.

Vietnam bietet nur dann eine Befreiung von Einfuhrzöllen für Materialien, wenn diese nachweislich im Land nicht zu erhalten sind. Solche „weichen“ Formulierungen bieten leider treffliche Gelegenheit zu Zeitverlust und „Verhandlung“ der Zollbefreiung mit den Zollbehörden.

Erhöhte steuerliche Abschreibung von Kosten und Investitionen

Thailand gewährt zusätzlich den doppelten steuerlichen Abzug von Kosten für Transporte, Strom und Wasser sowie eine steuerliche Erhöhung des Aufwands für Installations- und Baukosten um 25 %. Ähnliche Regelungen gibt es in Vietnam nicht.

Nicht-steuerliche Anreize

Auch nicht-steuerliche Anreize können das Wirtschaften für Investoren signifikant erleichtern. Einige seien hier erwähnt:

  • Beide Länder, Vietnam und Thailand, bieten Investoren vereinfachte Bedingungen und Verfahren beim Erteilen von langfristigen Visa und Arbeitsgenehmigungen. In Thailand hat die Förderbehörde „Board of Investment“ sogar im eigenen Haus Vertretungen des Arbeitsamts und der Einwanderungsbehörde, die einen „One-Stop-Service“ anbieten.
  • In beiden Ländern ist trotz Währungskontrolle die Repatriierung von Gewinnen in die Heimat möglich.
  • In Thailand wird Auslandsinvestoren, die durch das „Board of Investment (BOI)“ eine Anerkennung erhalten, das Recht, Eigentum an Grund und Boden zu erwerben. Dies gilt nicht nur für das eigentliche Grundstück der Fabrik, sondern auch für ein angemessenes Privatgrundstück des Investors und seiner Familie. Vietnam kennt als kommunistischer Staat kein Grundeigentum. Hier können Grundstücke nur für die Zeit angemietet werden, solange der gewählte Industriepark selbst noch einen Mietvertrag mit dem Staat hat.

Das Förderverfahren

In Thailand gibt es seit Jahrzehnten die Behörde „Thailand Board of Investment (BOI)“. Ursprünglich einmal direkt dem Premierminister unterstellt ist es Aufgabe dieser Behörde, Investitionen in Thailand zu fördern. Dabei gibt es keine Unterschiede zwischen ausländischen und thailändischen Unternehmen.

Die Vergünstigungen sind in klar definierten Förderrichtlinien festgeschrieben. Projekte bis zu einer Investitionssumme von 5 Mio EUR werden direkt von der Behörde geprüft und genehmigt. Das Verfahren ist ISO-reguliert und in 70 Werktagen abzuschließen. Bei höheren Investitionen ist mit ca. 90-100 Werktagen zu rechnen, da diese erst noch durch einen ministeriellen Ausschuss gehen müssen.

Auch Vietnam strebt entsprechend kurze und zeitlich straffe Entscheidungswege an. Allerdings gibt es keine einheitliche, zentrale Behörde, sondern einige Fördermaßnahmen müssen von den lokalen, zum Teil auch in einzelnen Parks ansässigen Behörden genehmigt werden. Das macht Zeitbedarf und Ausgang der Förderanträge etwas ungewiss.

Die Zeitvorgaben für das Verfahren sind in beiden Ländern eher kritisch zu betrachten. Dies gilt vor allem deshalb, weil sie die Vorlage der kompletten Antragsdokumente voraussetzen.

Erfahrungsgemäß dauert dies beim Antragsteller schon eine ganze Weile. Die Dokumente beinhalten alles, was zum Beispiel auch in Deutschland für Investitionszulagen erforderlich wäre, also Finanzierungsplan, Ertragsberechnung, zu beschaffende Anlagen, Personalplanung und vieles mehr. Natürlich liegt diese Arbeit in der Verantwortung des Investors. Nur selten sind sie aber in wenigen Wochen zu erstellen.

Die Förderrichtlinien in Thailand sind sehr transparent. Die Förderhöhe richtet sich nach

  • der Aktivität selbst, also der Branche und Bestimmung der herzustellenden Produkte („Activities“);
  • der technischen Höhe der Produktion („Assembling“ reicht in keinem Fall aus);
  • besonderen Zusatzleistungen („Merits“) in Hinblick auf Verbesserungen der Wettbewerbsfähigkeit, der Versorgung strukturschwacher Gebiete und der industriellen Entwicklung durch die Investition. Besonders hilfreich ist dabei die Ansiedlung in einem Industriepark und der budgetierte Anteil für die F&E oder design, sowie die geplante Zusammenarbeit mit thailändischen Instituten oder Unternehmen;
  • der Anwendbarkeit spezieller Branchen-Programme, also zum Beispiel der Zugehörigkeit zur Automobilindustrie im „Automotive Super Cluster“ oder der Einrichtung eines „Internationalen Handelszentrums“ mit ähnlichen Vergünstigungen wie sie auch Hong Kong steuerlich bietet.

Nicht ganz so einfach ist die Förderung in Vietnam. So hängt zum Beispiel schon die Firmengründung für ausländische Unternehmen davon ab, dass sie als förderwürdig geprüft werden. Eine Gleichbehandlung zwischen inländischen und ausländischen Investoren gibt es also insoweit nicht.

Die jeweiligen Fördermaßnahmen werden durch „Dekrete“ geregelt und durchaus häufig „angepasst“ und geändert. Als hinderlich wird auch häufig die Verzahnung zwischen Firmengründung, Förderantrag und Standortwahl betrachtet.

Sie erinnert an die Geschichte von „Huhn und Ei“, in der unbeantwortet bleibt, was denn zuerst entstanden sei. Ohne Grundstück keine Firma, ohne Fördergenehmigung kein Grundstück und ohne Firma keine Förderung. Es verlangt sehr gute Beratung vor Ort und ein strukturiertes Vorgehen, hier ein „Laufen im Kreis“ zu vermeiden.

Für Änderungen der Strategie oder von Teilentscheidungen bleibt da kaum Raum. Gewährt zum Beispiel der „Saigon High-Tech Part (SHTP)“ die Förderung, und entscheidet sich der Investor sodann für einen anderen Industriepark, so ist der Förderbescheid hinfällig und muss erneut durch die für den neuen Standort zuständige Behörde geprüft und genehmigt werden.

Störend wird häufig auch empfunden, das die eigene Technologie im Förderverfahren allzu intensiv offengelegt werden muss. Wer High-Tech-Förderung will, muss in seine „High-Tech“ dann schon sehr tief hineinblicken lassen. Schließlich ist bei so vielen Behörden die Gefahr schon höher, dabei auch einmal auf ein „schwarzes Schaf“ zu treffen, dass für eine positive Entscheidung auch etwas in die eigene Tasche haben möchte.

Unter dem Strich

Insgesamt ist die Förderung selbst, wie schon eingangs erwähnt, in beiden Ländern durchaus vergleichbar und attraktiv. Jedenfalls bieten beide Länder mehr als China oder die meisten ihrer südostasiatischen Mitbewerber. Für Thailand spricht in diesem Vergleich der tarnsparente Prozess, die Gleichbehandlung von einheimischen und ausländischen Unternehmen und für viele auch das Recht, Eigentum am Betriebsgelände zu erwerben.

Die steuerlichen Aspekte hängen im Einzelfall maßgeblich davon ab, wie die Investition in die jeweiligen Förderkategorien eingestuft wird.

Bei aller Bedeutung des Umfangs der staatlichen Vergünstigungen sollte der Investor aber immer vor Augen haben, dass der richtige Standort noch von vielen anderen Kriterien abhängt: Der Arbeitsmarkt, die Arbeitskosten, die Rechtssicherheit, die politische Stabilität, der Schutz geistigen Eigentums, der lokale Absatzmarkt, die Infrastruktur des Landes und die Qualität des Beschaffungsmarktes sind nur einige Aspekte, die ein Investor in einer sorgfältigen Machbarkeitsstudie prüfen muss.

Denn, um dies hier zu wiederholen, am Ende muss sich eine Investition jedenfalls auch ohne Steuervergünstigungen rechnen.